Philipp Menczel

Der Rechtsanwalt und Publizist Philipp Menczel wurde 1872 in Skala (Galizien) geboren. Er kam im Alter von neun Jahren nach Czernowitz, wo er in die Bildungselite aufstieg und die öffentliche Meinung durch seine 1903 gegründeten Zeitungsunternehmen "Czernowitzer Tagblatt" und "Czernowitzer Allgemeine Zeitung" prägen sollte. Seine Biographie gilt als Paradebeispiel eines Anhängers der sprichwörtlichen österreichischen Kulturmission in der Bukowina. Er war Patriot und Österreicher, den der Phantomschmerz über den Untergang der Habsburgermonarchie – wie viele andere auch – selbst zwei Jahrzehnte später immer noch heimsuchte, worüber er auch in seiner Erinnerungen "Trügerische Lösungen" (1932) berichtete.
Philipp Menczel
1872(Skala) - 1941(Newark, USA)
Journalist, Anwalt, Verleger

Mit der Gruppe um Leon Kellner und Mayer Ebner war er in der Bukowina der Vorkriegsjahre Gegenspieler des allmächtigen Reichsratsabgeordneten Benno Straucher. In den 1890er-Jahren wandte er sich dem Zionismus zu und gründete 1894 das erste frühzionistische Blatt ("Jüdisches Echo") in Czernowitz. Menczel wird jedoch später nicht – wie andere aus seiner Umgebung– eine jüdische Partei oder eine jüdische Autonomie in Europa fordern.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs kam er zu Beginn der ersten russischen Besetzung der Stadt in Gefangenschaft (1914-15), worüber er noch in Kriegszeiten ein Buch schrieb. Darin erörtert er seine Erlebnisse zu Kriegsbeginn in Czernowitz bis zur kurz darauf erfolgten Einnahme der Stadt, seine Verhaftung in der Nacht auf den 15. September 1914, die mehrwöchige, sich in zahlreichen Etappen hinziehende Deportation nach Sibirien (darunter ein elfwöchiger Aufenthalt in Winnitza) und den Rückweg von dort (inklusive einer 61-tägigen Inhaftierung in Sankt Petersburg), der schließlich mit der Erlangung der Freiheit im November 1915 in Schweden endet – mutmaßlich als Folge eines Austauschgeschäftes zwischen österreichischen und russischen Behörden. Nach dem Krieg zog er gemeinsam mit seiner Ehefrau (einer aus Bessarabien stammenden Jüdin) nach Wien um, bevor er 1940 über die Schweiz in die USA emigrierte. Er starb am 26. Oktober 1941 in Newark.

Text: Markus Winkler

Quellen:

  1. Philipp Menczel: Als Geisel nach Sibirien verschleppt. Berlin, Wien 1916
  2. Philipp Menczel: Trügerische Lösungen. Erlebnisse und Betrachtungen eines Österreichers. Stuttgart, Berlin 1932
  3. Markus Winkler: Der Erste Weltkrieg: Wahrnehmung und Deutung aus der Perspektive deutschsprachiger Juden aus der Bukowina. In: Jüdische Publizistik und Literatur im Zeichen des Ersten Weltkriegs. Hrsg. von Petra Ernst und Eleonore Lappin-Eppel. Innsbruck 2015, S. 51-73