Dmytro Sahul

Dmytro Sahul war ein ukrainischer Lyriker. Er wurde am 28. August 1890 in Miliïve (bei Wiznitz, ca. 50 km westlich von Czernowitz) geboren und absolvierte das II. k.k. staatliche Gymnasium in Czernowitz Anschließend besuchte er die Franz-Josephs-Universität Czernowitz, wo er Philosophie studierte. 1909 veröffentlichte er erste Gedichte in der ukrainischen Zeitung „Bukowyna“, 1913 gab er in Czernowitz den Gedichtband „Merežka“ (Stickerei) heraus.

Dmytro Sahul
1890 (Milijiwe) - 1944 (Gulag Kolyma)
Schriftsteller

Als sich die russischen Truppen während des Ersten Weltkriegs 1915 aus der Bukowina zurückzogen, wurde er als Geisel nach Nischni Nowgorod verschleppt. Er konnte von dort flüchten und geriet über Odessa nach Kiew, wo er bis 1933 als Buchhalter, Sanitäter, Lehrer und Redakteur tätig war. In dieser Zeit veröffentlichte er zahlreiche neue Gedichte, Übersetzungen und journalistische Artikel. Als Mitglied der literarischen Vereinigung „Zachidna Ukraïna“ (Westliche Ukraine) wurde er 1933 zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt. Zunächst war er in Transbaikalien an einer Eisenbahnstation Urulga in einem Gulag inhaftiert. Nach einigen Jahren wurde er nach Kolyma verlegt. In Lagern musste er unterschiedliche körperliche Arbeiten verrichten. Er war aber auch Herausgeber der Zeitung „Stroitel’ Bama“ (Bauarbeiter an der BAM, Baikal-Amur-Magistrale) und betätigte sich als Literaturredakteur in einer Agitbrigade (Laientheatergruppen in der Sowjetunion, die nach der Oktoberrevolution in Unternehmen oder im Bau bestanden). Nach Verbüßung seiner Haftstrafe wurde er nicht entlassen. Er starb – körperlich geschwächt – im Sommer 1944 in Kolyma.

Text: Markus Winkler

Quellen:

  • Peter Rychlo, Oleg Liubkivskyj: Literaturstadt Czernowitz. Czernowitz 22009, S. 105-109