Jakob Pistiner

Jakob Pistiner war ein Journalist, Anwalt und Politiker der jüdischen Sozialdemokratie (Arbeiterbund). Er wurde 1882 in Fundu Moldovei (Bukowina) geboren und studierte an der Franz-Joseph-Universität Czernowitz zwischen 1902 und 1906 Rechtswissenschaften, worin er auch später promovierte. Pistiner schloss sich früh der jüdischen sozialdemokratischen Bewegung an und war Redakteur des Parteiorgans „Volkspresse, das er ab November 1910 als Herausgeber und Chefredakteur verantwortete. Nachdem das Blatt 1912 in „Vorwärts“ (Organ der internationalen sozialdemokratischen Landesorganisation in der Bukowina) umbenannt worden war, amtierte Pistiner bis 1930 als dessen Herausgeber. 

Jakob Pistiner
1882 (Czernowitz) - 1930 (Bukarest)
Politiker

Er war Vorsitzender der jüdischen Sektion der fünf Nationalitätensektionen umfassenden sozialdemokratischen Partei in der Bukowina und gehörte zwischen 1920 und 1926 bzw. ab 1928 dem rumänischen Parlament an. Er starb am 23. August 1930 an einem Herzschlag.

Pistiner setzte sich für das Jiddische als nationale Sprache der Juden ein und war 1919 einer der beiden Mitinitiatoren des Jiddischen Schulvereins in Czernowitz. Nach dem Ersten Weltkrieg erkannte er das Dilemma der Juden, ihre nationalen Ansprüche wieder einmal ohne eigenen Staat erheben zu müssen. Daher hatten die kulturellen und sprachlichen Anstrengungen für ihn einen besonderen Stellenwert, um die nationale Entwicklung der Juden zu fördern. Dies wird in einem Polizeibericht deutlich, der die Ausführungen Pistiners auf einer sozialdemokratischen Parteiversammlung am 17. November 1918 indirekt wiedergibt:

„Für die Juden sei ihre politische Situation grundverschieden von der der anderen Nationen. Während die anderen Nationen durch den grausamen Krieg wenigstens das erreicht haben, das sie sich zu Nationalstaaten vereinigen können, seien die Juden nicht in der Lage, sich mit derartigen Errungenschaften zu freuen. Es sei daher die Sache der Juden, unter den gegebenen Verhältnissen das zu erringen, was möglich sei. Die Juden hatten das Selbstbestimmungsrecht zu fordern, das ihnen eine freie nationale Entwicklung ermögliche. Sie hatten vor allem die Anerkennung ihrer Sprache zu fordern.“ (Staatliches Czernowitzer Gebietsarchiv, F. 12, 2, 1161).

Text: Markus Winkler

Materialien:

  1. Shlomo Bickel: Begegnungen mit Dr. Pistiner. In: Jüdisches Städtebild Czernowitz. Hrs. V. Andrei Corbea-Hoisie. Frankfurt/M. 1998, S. 165-173.