Entstehungsgeschichte

Das БukoWiki entstand 2024 aus dem bukowina-portal.de. Das Bukowina-Portal wurde von Oktober 2015 bis September 2017 als dtmb-Projekt erstellt. Folgend sind die ursprünglichen Projektdaten und Konzepte:

dtmb-Projekt

Projektinhalt: "Digitale Topographie der multikulturellen Bukowina" (dtmb) ist ein moduliertes, interaktives Projekt. Ziel ist die Erforschung und Vermittlung des Erbes der deutschen Kultur in der Region im Kontext mit anderen Kulturen (Juden, Rumänen, Ukrainer, Polen, Russen und Armenier). Das Vorhaben ist innerhalb der digital humanities verortet, indem es geistes- und kulturwissenschaftliche Theorieansätze für digitale Medien aufbereitet. Das Projekt vernetzt auch Studierende und Nachwuchswissenschaftler*innen.


Förderziele: (1.) Stadt- und Regionalgeschichte in vielschichtigen Arbeitsprozessen und durch fortlaufenden Austausch von Projektergebnissen erfassen. (2.) Anregung und Qualifizierung der Projektteilnehmer für Umgang mit Erinnerungskultur. (3.) Nutzbarkeit für nicht-wissenschaftliche Öffentlichkeit. (4.) Neue Quellenerschließung zur deutschen und europäischen Kultur durch Einbindung von ukrainischen und rumänischen Institutionen (Archive, Museen, Bibliotheken)

Gründe der Förderung durch den Bund: Durch die Erforschung und Präsentation von Erinnerungstopoi einer multikulturellen Region sowie die aktive Beteiligung von Akteuren aus einem Land der östlichen Partnerschaft unterstützt das Projekt auch demokratische und zivilgesellschaftliche Prozesse und trägt zur europäischen Verständigung bei.

Projektdauer: Oktober 2015 bis September 2017

Das Projekt ist Teil des Förderprogramms „Wandel - Brüche - Kontinuitäten. Die Deutschen und ihre Nachbarn im östlichen Europa“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Das Programm fördert wissenschaftliche und kulturelle Projekte zur Erforschung und Präsentation von Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Wechselwirkungen mit den Nachbarkulturen.

Hintergrund

Das modulierte, interaktive Forschungsprojekt beinhaltet eine digitale Topographie der Bukowina (mit Schwerpunkt Czernowitz) und soll innerhalb von zwei Jahren realisiert werden. Geplant ist die Erkundung, (Wieder-)Entdeckung und ein Überdenken (rethinking) von Personen, Ereignissen und Orten in der Stadt und der Region, an denen sich die wechselvolle und multikulturelle Geschichte der Deutschen, Juden, Rumänen, Ukrainer, Polen, Russen und Armenier im Zeitraum von 1848 bis 1940 widerspiegelt. Das Forschungsvorhaben ist innerhalb der Digital Humanities verortet, indem es geistes- und kulturwissenschaftliche Theorieansätze konzeptuell für digitale Medien aufbereitet. Darüber hinaus verfolgt es einen praktischen Ansatz, da es sowohl in eine nicht-akademische Öffentlichkeit hineinwirkt als auch Studierende und Nachwuchswissenschaftler in der Ukraine als Projektteilnehmer einbindet, sie mit Methoden der angewandten Geschichtswissenschaft vertraut macht, ihre Kompetenzen erweitert und ihnen neue Perspektiven auf geschichtliche Prozesse eröffnet.

Die Projektteilnehmer werden dazu im Anschluss an eine Einführung (Grundlagenvermittlung) unter Anleitung des Projektleiters und später auch selbstständig in Archiven, Bibliotheken, Museen und weiteren Einrichtungen in der Bukowina für diverse Forschungsmodule (Personen, Ereignisse, Orte) nach Quellenmaterialien recherchieren und diese kritisch auswerten. Eine weitere Bezugsquelle zur Erforschung von Stadt und Region ist der öffentliche Raum und ggf. private Räume (Biographien und Lebenswelten). Ziel ist es, mit Hilfe von Texten, Bildern, Karten und Audio- und Videosequenzen die unterschiedliche Wahrnehmung von Personen, Ereignissen und Orten in der Vergangenheit und Gegenwart sichtbar zu machen. Die Ergebnisse werden auf einem Web-Portal dokumentiert und auf Deutsch, Englisch und Ukrainisch einer breiten Öffentlichkeit in der Region, in der Ukraine und im Ausland zugänglich gemacht. Aufgrund seines offenen Konzepts ermöglicht das Projekt auch jederzeit begleitend bzw. im Anschluss an den Förderungszeitraum die Beteiligung von Studierenden und Wissenschaftler/innen aus Deutschland bzw. aus dem Ausland und den Austausch und die Vernetzung mit ukrainischen Partnern.

Forschungsansätze und zentrale Fragen

Projektziele sind ein differenzierter Umgang mit geschichtlichen Prozessen, die Vermittlung von Instrumenten und Methoden der kritischen Auseinandersetzung mit Quellen (Texte, Bilder, Filme, Narrative) und die praktische Anwendung erworbener Kompetenzen. Die zu recherchierenden und auszuwertenden Materialien (Datenerhebung) umfassen eine Vielzahl von differenten Objekten, u.a. Originaldokumente (Gründungsurkunden, behördliche und private Korrespondenz, Tagebücher, Presseberichte u.a.), historische Stadtpläne, Photographien, Filmaufzeichnungen. Auf der Basis dieser Daten ergeben sich mehrere interdisziplinäre Schnittstellen und Forschungsansätze: Kulturtransferforschung, Biographieforschung, Alltagsgeschichte, kultur- und sozialhistorisch orientierte Infrastrukturgeschichte, Literatur- und Sprachgeschichte.

Zentrale Fragen: Czernowitz/Chernivtsi und die Bukowina sind für die Zielstellung des Projekts ideal, ergeben sich doch durch die verschiedenen historischen Zäsuren vielfältige Ansatzpunkte zur Auseinandersetzung mit Geschichtsbildern und Gedächtniskulturen. Czernowitz war bis 1918 Teil der Habsburgermonarchie, 1918-1944 rumänisch (außer 1940/41), ab 1944 sowjetisch und ist seit 1991 eine ukrainische Stadt. Wie an kaum einem anderen Ort lassen sich hier die Spannungsverhältnisse von Kontinuitäten, Wandel und Brüchen erforschen. Die Region war lange Zeit von der deutschen und deutsch-jüdischen Kultur und ihren Wechselbeziehungen mit den Nachbarn geprägt. Ziel des Projekts ist es auch, diese Wechselbeziehungen und den Nutzen eines Kulturtransfers für demokratische Prozesse transparent zu machen. Ausgehend von diesem Ansatz ergeben sich folgende zentrale Forschungsthemen:

  1. Interkulturalität: Formen des Kulturtransfers in der Bukowina
  2. deutsche Kultur und Sprache als lingua franca bis 1940 in Czernowitz: Bildungswert, Wertekonsens, Zivilisationsbruch
  3. Kulturelle Brüche auf diachroner Ebene: Rumänisierung, Sowjetisierung, Ukrainisierung
  4. Symbolisierungen, Narrationen und Imaginationen des Raums „Bukowina“
  5. Selbst- und Fremdwahrnehmungen von Ethnizitäten
  6. Grenzland Bukowina: Migrationsbewegungen
  7. Historiographien und konkurrierende Erinnerungskulturen in den jeweiligen Epochen

Forschungs- und Lehrmodule

Geplant ist das Angebot mehrerer Forschungs- und Lehrmodule mit jeweils unterschiedlichen Rechercheschwerpunkten. Diese Module werden gemeinsam mit Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern der Nationalen Universität Tscherniwzi durchgeführt. Die folgenden Forschungsmodule (Personen, Ereignisse, Orte) werden durch mehrtägige Impuls-Workshops des Projektleiters an der Nationalen Universität Tscherniwzi vorbereitet und begleitet.

a) Personen

Ziel ist es, Personen und ihre biographischen Wegmarken im Raum zu verorten und diese Verortung durch Archivmaterialien und weitere Dokumente abzusichern bzw. zu illustrieren. Es soll dadurch gezeigt werden, dass es keine eindimensionale Perspektive geben kann, sondern Biographien, Einstellungen und Positionen immer auch durch den historischen Kontext interpretiert werden sollten. Menschen aus der Bukowina waren im 19. und 20. Jahrhundert häufig repräsentativ für einen kulturellen Transfer, aber auch für biographische Brüche, was sprachliche und kulturelle Identitäten betrifft. Einige Bespiele: Der rumänische Nationalschriftsteller Mihai Eminescu besuchte in Czernowitz in den 1860er Jahren die deutsche Oberschule, der deutsch-jüdische Dichter Paul Celan war in den späten 1930er Jahren Schüler des ukrainischen Gymnasiums. Die ukrainische Schriftstellerin Olha Kobylanska verfasste und veröffentlichte ihre ersten Texte auf Deutsch. Die Hebraisten unter den Czernowitzer Zionisten und Herzl-Anhänger waren deutsch-akkulturiert, wie auch Nathan Birnbaum, der die erste jiddische Sprachkonferenz 1908 in Czernowitz organisiert, selbst jedoch des Jiddischen kaum mächtig war – im Gegensatz zum jiddischen Fabeldichter Elieser Steinbarg. Der Gründerrektor der deutschsprachigen Universität 1875 war der Pole Constantin Tomaszczuk. Personen, die als Rechercheobjekte für das Projekt in Frage kommen (Auswahl): Literaten und Künstler (Paul Antschel/Celan, Rose Ausländer, Selma Meerbaum-Eisinger, Gregor von Rezzori, Sidi Thal, Elieser Steinbarg, Josef Burg, Arthur Kolnik, Mihai Eminescu, Joseph Schmidt, Ludwig Rottenberg, Olha Kobylanska, Lessja Ukrainka), Politiker und Historiker (Ion Nistor, Iancu Flondor, Benno Straucher, Mayer Ebner, Leon Kellner, Philipp Menczel, Nathan Birnbaum, Constantin Tomaszczuk), Pädagogen und Wissenschaftler (Susanne Rubinstein, Eugenie Schwarzwald, Raimund Friedrich Kaindl, Aron Pumnul, Wilhelm Reich, Stefanie von Turetzki, Erwin Chargaff, Eugen Ehrlich) u.a. Dieses Modul wird durch Zeitzeugen-Interviews (oral history) ergänzt.

b) Ereignisse

Ziel ist es, Ereignisse zu untersuchen, die für die Stadt- und Raumgeschichte prägend gewesen sind. Es können punktuelle Ereignisse sein, die die Vielfalt der Sprachen und Ethnien und ihre Bedeutung für den Raum repräsentieren, z.B. die erste (und einzige) jiddische Sprachkonferenz von 1908, an der die bedeutendsten jiddischen Dichter teilnahmen und auf der das Jiddische im Schlussprotokoll als eine der beiden Nationalsprachen der Juden (neben Hebräisch) deklariert wurde, oder die Abstimmung über den sogenannten „Bukowiner Ausgleich“ (1910), eine Wahlreform, die die nationalitätenrechtlichen Probleme im Kronland lösen sollte (aufgrund der ethnischen Vielfalt galt das Wahlsystem als eines der kompliziertesten in Europa). Darüber hinaus stellen die politischen Zäsuren (1914, 1918/19, 1940/41) in der Bukowina Ereignisse dar, die in viel stärkerem Maße die gesamte Bevölkerung betrafen, das Alltagsleben systematisch veränderten, auch zur Flucht zwangen oder mit Deportationen verbunden waren. Der Erste Weltkrieg: Stand die Region im Ersten Weltkrieg als Kriegsschauplatz im Fokus (Czernowitz erlebte drei russische Besatzungsphasen zwischen 1914 und 1917, in denen zehntausende Bewohner in den Westen flohen), folgte nach der Eingliederung der Bukowina in das Rumänische Königreich 1918/19 eine Phase der Rumänisierung und Sprachpolitik, die zahlreiche deutsche Lehrer und Universitätsdozenten zur Ausreise zwang und ab den 1930er Jahren auch von einem zunehmenden Antisemitismus begleitet wurde. Eine weitere Zäsur ereignete sich am 28. Juni 1940, als die Nordbukowina inklusive Czernowitz von sowjetischen Einheiten besetzt wurde. Der am 5. September 1940 unterzeichneten "Deutsch-sowjetrussischen Vereinbarung über die Umsiedlung der deutschstämmigen Bevölkerung aus den Gebieten von Bessarabien und der Nördlichen Bukowina in das Deutsche Reich" folgte zwischen dem 27. September und dem 17. November 1940 die fast vollständige Umsiedlung der deutschen Volksgruppe. Teile der jüdischen Bevölkerung (ca. 3.000 Personen) wurden als sogenannte „Volksfeinde“ nach Sibirien deportiert. Das tragische Ende eines Großteils der Juden in der Region ereignete sich nach dem Überfall des Deutschen Reiches auf die Sowjetunion. In Czernowitz kam es ab dem 6. Juli 1941 zu Verbrechen an der großen jüdischen Bevölkerungsgruppe, nachdem rumänische Einheiten und ein Kommando der SD-Einsatzgruppe D unter Otto Ohlendorf die Stadt erreicht hatten. Sie verwüsteten jüdische Einrichtungen, brannten den Israelitischen Tempel nieder und erschossen mehrere hundert Juden, darunter Repräsentanten der jüdischen Gemeinde wie den Oberrabbiner Abraham Jakob Mark. Fast 50.000 Czernowitzer Juden wurden in einem Ghetto zusammengepfercht. Im Oktober und November 1941 und im Juni 1942 folgten Deportationen von 32.530 Juden in die Lager Transnistriens. Mit Hilfe von Sonderausweisen (Autorisationen) konnten 15.633 Juden in Czernowitz verbleiben. Am 28. März 1944 erreichte die Rote Armee Czernowitz. Von 1947 bis 1991 gehörte die Stadt zur Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Seit Dezember 1991 ist Czernowitz Teil der unabhängigen Ukraine.

c) Orte

Ziel es ist, anhand von Orten und Gebäuden geschichtliche Prozesse in Czernowitz und der Bukowina zu erforschen und darzustellen. Diese Prozesse umfassen im weitesten Sinne eine Funktionsgeschichte (Entstehung und Wandel bis hin zu der gegenwärtigen Funktion eines Gebäudes), eine Siedlungsgeschichte (z.B. Rosch als ehemaliges Siedlungsgebiet der deutschen Volksgruppe oder das jüdische Armenviertel in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts) und eine Geschichte, aus denen sich Erinnerungstopoi ableiten lassen oder die zu einer politischen Instrumentalisierung führen. Denn Orte sind auch Ausdruck von Wandel und Brüchen: Die ehemalige Hauptsynagoge der Juden – der Israelitische Tempel – wird seit den 1960er Jahren als Kinogebäude genutzt. Denkmäler sind aus dem Stadtbild verschwunden bzw. wurden an Ort und Stelle durch Objekte ersetzt, die die neuen Machtverhältnisse widerspiegelten. Am Zentralplatz wurde die österreichische Mariensäule (1827) durch das rumänische Unirea-Denkmal ersetzt (1924), das wiederum der Lenin-Statue weichen musste (1951) ehe dieses durch das Taras Schewtschenko-Denkmal ausgetauscht wurde (1999). Ebenso verhält es sich mit den Straßennamen, die epochenweise ausgetauscht wurden, eine Entwicklung, die bis heute anhält (nach dem Euromaidan 2014 wurden wichtige Straßen umbenannt, u.a. zwei Magistralen der Stadt: Straße der Roten Armee in Straße der Helden des Maidan und Stassjuk Straße in Straße der Himmlischen Hundertschaft (in Erinnerung an die Toten auf dem Maidan). Anhand von Orten und Gebäuden lassen sich auch die Querverbindungen zwischen den Nationen und Kulturen belegen. Die Czernowitzer Philharmonie wurde 1877 als Konzerthalle der Ukrainischen Musikgesellschaft eröffnet und ab den 1920er Jahren vom deutschen Theaterensemble genutzt, nachdem dieses wiederum von einer rumänischen Studentengruppe während einer Aufführung von Schillers „Räuber“ aus dem Stadttheater (das eigentlich allen Nationalitäten offenstand) vertrieben worden war. Orte und Gebäude, die sich für das Projekt eignen (Auswahl): Volkshäuser (Jüdisches Haus, Deutsches Haus, Palatul Culturii, Dom Polski, Ukrainskyj Narodnyj Dim), Schulen (Obergymnasien, Real-, Volks- und Privatschulen), Universitätsgebäude, Sprach- und Bildungsvereine (Safah Ivriah, Arbeitsbildungsverein, Jüdische Toynbeehalle, Ethisches Seminar, Morgenroit u.a.), Kirchen (Synagogen, Israelitischer Tempel, röm.-kath., gr.-kath., gr.-orth., ev., armenische Kirchen), Militäreinrichtungen, Friedhöfe, Verwaltungsgebäude (Landesregierung, Justizpalast), Konsulate, Cafés (als Ort der literarischen und diskursiven Repräsentation) und sonstige Einrichtungen (z.B. Hotel zum „Schwarzen Adler“ als Hauptquartier der SD-Einsatzgruppe D im Juli 1941) u.a.

Realisierung, technische Umsetzung und Präsentation

Das Projekt wird während der Förderdauer (zwei Jahre) innerhalb von regelmäßigen und mehrwöchigen Präsenzphasen vor Ort und eines kontinuierlichen Online-Tutoring auf einer für das Projekt einzurichtenden Moodle-Plattform realisiert. Die Rechercheaufgaben werden individuell und in Kleingruppenarbeit bewältigt. Die Ergebnisse werden vom Projektleiter evaluiert. Die Präsentation des Forschungsprojekts erfolgt über eine öffentlich zugängliche Website „Digitale Topographie“ und damit als eine spezielle nutzerfreundliche Aufbereitung des Forschungsthemas. Die Plattform wird rund 200 Ortsbegriffe und Personen umfassen und mit diesen Textinformationen und audiovisuelle Medien (historisch und aktuell) verknüpfen. Durch diese Form der Präsentation kann das Projekt auch in eine nicht-wissenschaftliche Öffentlichkeit hineinwirken. Darüber hinaus sind QR-Codes in der Stadt/Region geplant, die mit mobilen Endgeräten eingelesen werden können. Nutzer erhalten direkt am Standort einen Online-Zugang zu den entsprechend aufbereiteten Informationen der Website.

Die Website als digitale Plattform des Projekts umfasst:

  1. responsives Design zur optimierten Darstellung der Inhalte auf verschiedenen Geräten (Desktop, Computer, Tablett PC, Mobiltelefon)
  2. mehrsprachige Navigationsstruktur und Inhaltselemente (deutsch, englisch, ukrainisch)
  3. Inhaltselemente, d.h. formatierbare Anriss- und Volltexte, Dokumente, Grafiken, Bilder, Karten und Mediaelemente (Audio/Video), die Themen zugeordnet sind (Personen, Ereignisse, Orte)
  4. Zuordnung von Inhaltselementen zu einer geografischen Lokalität (Standorte)
  5. Einbindung der Standorte in Google-Maps oder Open Street Map
  6. Verknüpfung der Website mit QR-Codes an den realen Standorten in der Stadt/Region

Projektteilnehmer / Zielgruppen

Das interdisziplinäre Forschungsprojekt läuft in Kooperation mit Partnern vor Ort (Universität, Bildungseinrichtungen) und richtet sich an Studierende und Nachwuchswissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen (Geschichts-, Kultur- und Sozialwissenschaft, Architekturgeschichte, Sprach- und Literaturwissenschaft). Multiplikatoren wie Lehrer und Journalisten sind weitere Zielgruppen, die das Projekt begleiten und für ihre eigene berufliche Tätigkeit nutzen können. Durch die geplanten QR-Codes (Quick Response) an zahlreichen Orten in der Stadt und Region können darüber hinaus Interessenten und Besucher einen einfachen Zugang zum Projekt und seinen Zielen finden.

Ausblick

Die Ukraine befindet sich seit November 2013 in einer politisch und gesellschaftlich fragilen Lage. Die weitere Entwicklung ist gegenwärtig nicht absehbar. Auffällig ist dabei ein konfrontatives Aufeinandertreffen von unterschiedlichen Geschichtsbildern, die in Medien, Schulen und Universitäten vermittelt wurden und werden. Dass beispielsweise die Ereignisse rund um die Orangene Revolution 2004 in den nachfolgenden Schulbüchern als ein Akt der Befreiung und als zivilgesellschaftliche Errungenschaft dargestellt worden waren, dann jedoch – nach dem Machtwechsel zu Wiktor Janukowytsch (der die Orangene Revolution durch Wahlbetrug ausgelöst hatte) – in neu entstandenen Curricula aus einem ganz entgegengesetzten Blickwinkel interpretiert wurden, hat sich nicht nur innerhalb eines sehr kurzen Zeitraums ereignet (sechs Jahre), sondern auch für Verwirrung einer Schülergeneration gesorgt. Die Fähigkeit zu erkennen, wie Geschichtsbilder entstehen und wie geschichtliche Ereignisse erinnert werden (Gedächtniskultur), sind für eine demokratische Entwicklung und eine aufgeklärte Gesellschaft von hoher Relevanz. Der praktische als auch wissenschaftlich fundierte methodische Ansatz des Forschungsprojekts kann den Projektteilnehmern eine differenzierte Sichtweise auf geschichtliche Prozesse vermitteln. Die multilinguale, -kulturelle und konfessionelle Vielfalt, für die die Bukowina als ein Europa im Kleinen repräsentativ ist, sowie das Bewusstwerden historischer Bezüge, die in die Gegenwart hineinwirken, können als Chance für eine demokratische und humanistische Entwicklung in der Region bzw. der Ukraine begriffen werden.

Förderer und Partner

Förderer: Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)

 

Projektträger: Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar


Kooperationspartner: Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e.V. an der LMU München, Nationale Universität Tscherniwzi

 

Projektpartner: Czernowitzer Museum für jüdische Geschichte und Kultur der Bukowina, deutsch-ukrainische Kulturgesellschaft "Zentrum Gedankendach" (Tscherniwzi), Deržavnyj Arhiv Černivec’koї Oblasti (Staatsarchiv des Czernowitzer Gebietes), Landeskundemuseum der Bukowina (Tscherniwzi)