Jüdisches Waisenhaus

Das jüdische Waisenhaus (offizieller Name: Kaiser Franz Joseph Jubiläums-Waisenhaus für Israeliten in Czernowitz) war 1900 nach einer langen Planungszeit eingeweiht worden. Das aus Mitteln der „Kaiser Franz-Joseph-Jubiläums-Waisenhausstiftung für Israeliten“ (anlässlich des 50-jährigen Regierungsjubiläum) errichtete Gebäude in der damaligen Fleischergasse, die in Wagnergasse umbenannt wurde (aufgrund der großen Unterstützung des Waisenhauses durch die Heinrich-und-Josefine-Wagnersche-Stiftung mit 662.928 Kronen) blieb allerdings rund vier Jahre ungenutzt. Erst am 4. September 1904 konnte es seinen Betrieb aufnehmen, nachdem durch Spenden (von Josefine Wagner, Witwe des Reichsratsabgeordneten Heinrich Wagner) und der israelitischen Kultusgemeinde, die das Waisenhaus verwaltete, genügend Mittel für den Unterhalt zur Verfügung standen.

Jüdisches Waisenhaus
Verwaltungsgebäude & Verkehr
built
1898 - 1900

Laut dem Jahresbericht von 1907 wurden im Jahr 1906 46 Waisenkinder (25 Jungen, 21 Mädchen) in der Einrichtung versorgt. 42 Waisen besuchten die Volksschule, zwei die Handelsschule und je ein Waisenkind das Gymnasium und die Realschule. Das Waisenhaus hatte „einen prächtigen Garten, in welchem die Kinder auch Gartenarbeiten verrichten“ (Bukowinaer Post, 30. Mai 1907, S. 3). 1906 beliefen sich die Einnahmen des Waisenhauses auf 35.290 Kronen. Die Ausgaben lagen bei 32.339 Kronen. Das Spendenaufkommen umfasste 14.722 Kronen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Waisenhaus fünf hauptamtliche Mitarbeiter: Direktor Hermann Feuerwerk, Religionslehrer Josef Thier, Aufseher und Korrepetitor Meier Puder, Aufseherin und Wirtschafterin: Bertha Trichter und Hausarzt Dr. S. Rudich.

Text: Markus Winkler

Materialien:

  1. Kaiser Franz Joseph Jubiläums-Waisenhaus für Israeliten in Czernowitz. VIII. Jahresbericht für das Jahr 1912