Чернівецька цісарсько-королівська вчительська семінарія

Eines der Hauptanliegen der Schulbehörden der Bukowina war die Ausbildung von qualifizierten Lehrern. Bereits kurz nach der Revolution von 1848 wurde auf Initiative der Bukowiner Rumänen in Czernowitz eine orthodoxe Präparandie (untere Stufe der Volksschullehrerausbildung) verwirklicht. Durch die 1869 im Reichsgesetz festgelegte Neugestaltung des Unterrichtswesens änderte sich auch die Lehrerausbildung. Am 1. Oktober 1870 begann in Czernowitz die Lehrerbildungsanstalt mit ihrer Arbeit, im Herbst 1872 folgte die Lehrerinnenbildungsanstalt. Beide bildeten eine gemeinsame Schulanstalt mit einem Direktor und einer Lehrerschaft, doch der Unterricht fand für Jungen und Mädchen in geteilten Klassen statt.

Чернівецька цісарсько-королівська вчительська семінарія
Bildung & Kultur
erbaut
1887

Von 1870 bis 1895 waren an der Lehrerbildungsanstalt in zwei Übungsschulen und im Kindergarten insgesamt 108 Lehrkräfte tätig. In diesem Zeitraum war die Lehrerbildungsanstalt in drei Gebäuden untergebracht: in der vierklassigen Hauptschule in der Schulgasse, in Teilen der Franz-Josephs-Universität Czernowitz und schließlich ab 1887 im neu errichteten und sehr geräumigen Gebäude in der Stefaniestr. Nr. 17. Dimitrie Isopescul amtierte mehr als 30 Jahre lang als Direktor, ehe ihm Michael Kuschniriuk im Herbst 1901 nachfolgte. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Deutsch die Unterrichtssprache, doch wurden auch einige Fächer auf Rumänisch und Ukrainisch gelehrt. Im Zuge der Nationalisierung des Unterrichtswesens in den Volksschulen der Bukowina kam die Forderung auf, auch in der Lehrerbildungsanstalt sämtliche Fächer für rumänische und ukrainische Schüler in ihren Sprachen anzubieten, was teilweise realisiert wurde. 1909/10 wurde die Lehrerbildungsanstalt in drei nationale Abteilungen (deutsch, rumänisch und ukrainisch) getrennt, die jeweils von einem Koadjutor geleitet wurde, der aber dem Direktor unterstellt war. Die zukünftigen Lehrerinnen lernten jedoch weiterhin in deutscher Sprache, mit Ausnahme der Fächer Religion, Muttersprache und Werktätigkeiten, die auch auf Rumänisch bzw. Ukrainisch angeboten wurden. Nach 1910 wurden noch einige private Lehrerinnenbildungsanstalten in Czernowitz gegründet, darunter waren zwei deutsche und je eine rumänische und ukrainische. Die Tradition von Lehrerbildungsanstalten wurde in diesem Gebäude in der Zwischenkriegszeit fortgesetzt und dauert bis in die Gegenwart an. Heute ist dort das Pädagogische College (als Teil der Universität) untergebracht.

Text: Constantin Ungureanu

Quelle:

  • Constantin Ungureanu: Mittelschulen und höhere Lehranstalten in der Bukowina vor 1918: Nationen, Sprachen und Geschlechter. Ein statistischer Überblick. In: Markus Winkler (Hg.): Partizipation und Exklusion. Zur Habsburger Prägung von Sprache und Bildung in der Bukowina. 1848 – 1918 – 1940, S. 115-128